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Rheuma: Am Anfang war der Schmerz

Rheumatische Beschwerden lernt fast jeder im Laufe seines Lebens kennen. Rückenschmerzen sowie Verschleiß an Knie- und Hüftgelenken gehören zu den Volkskrankheiten. Bei rund 800.000 Menschen in Deutschland mit ähnlichen Symptomen lautet jedoch die Diagnose chronische Polyarthritis. 

Jeder zweite ist über 60 Jahre alt, wenn die Krankheit ausbricht. Die Suche nach der Ursache dieser entzündlichen Gelenkerkrankung gibt immer noch große Rätsel auf. Fehlgeleitete Abwehrkräfte scheinen eine Rolle zu spielen. Eine vollständige Heilung kann heute niemand versprechen. Doch Ärzte und Forscher entwickelten in den letzen Jahren neue Therapiemethoden, um die Krankheit besser in den Griff zu bekommen. Während man den Patienten im Frühstadium der chronischen Polyarthritis bisher milde Wirkstoffe verabreichte, fordern heute Rheumatologen von Anfang an den Einsatz hochwirksamer Medikamente. Dank langjähriger Studien können die Ärzte mit den gefürchteten Nebenwirkungen dieser Medikamente besser umgehen.  

Die Polyarthritis zeichnet sich durch wechselhaften Krankheitsverlauf aus

Bei der chronischen Polyarthritis leiden die Betroffenen unter Entzündungen, die an mehreren Gelenken gleichzeitig auftreten. Diese sind stark geschwollen und schmerzen. Vor allem nach dem Aufstehen sind die Gelenke steif und oft kommen Muskelschmerzen dazu. Die Rheumaerkrankung verursacht zusätzlich Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Der Krankheitsverlauf ist sehr wechselhaft. Nach völliger Beschwerdefreiheit, die oft jahrelang andauern kann, bricht die Krankheit plötzlich wieder aus. Bei jedem Schub nehmen Schwellung, Schmerz und Steifheit der Gelenke zu. Zum Teil verläuft die Krankheit so aggressiv, dass an Knorpel und Knochen Schäden bleiben. Nicht selten fürchten Patienten, bei denen eine Arthritis beginnt, schwere Behinderungen und sehen sich bereits im Rollstuhl. Doch dies kommt glücklicherweise nur sehr selten vor - vorausgesetzt der Patient erhält eine konsequente und systematische Behandlung.

Für die Behandlung einer Arthritis gibt es vielfältige Therapiemöglichkeiten, die der Arzt parallel einsetzt. Neben Medikamenten und physikalischer Therapie, helfen Krankengymnastik und Ergotherapie im Kampf gegen Rheuma. Oft bleibt nur eine Operation, um die Beweglichkeit wiederherzustellen oder um Schmerzen auszuschalten. Der Hausarzt arbeitet deshalb Hand in Hand mit Rheumatologen, anderen Fachärzten, Krankengymnasten und Masseuren. Für den Patienten wird es da schnell schwierig, den Überblick über die verschiedenen Behandlungsmethoden zu behalten. Doch gerade chronisch Kranke greifen gerne nach jedem Strohhalm, der Linderung ihrer Beschwerden verspricht. Zum Beispiel kann eine Umstellung der Ernährung grundsätzlich helfen, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Aber die vollständige Heilung einer chronischen Polyarthritis wird allein durch eine besondere Diät nicht gelingen.

Der Einsatz von Medikamenten ist unumgänglich

Um den Verlauf dieser Krankheit zu verbessern, kommen die Patienten nicht daran vorbei, Medikamente zu nehmen. Den Ärzten steht eine ganze Palette von Wirkstoffen zur Verfügung. Spezielle Schmerzmittel, die Antirheumatika, helfen gegen Schmerzen und Schwellungen. Cortison wirkt stark entzündungshemmend, sollte aber nicht dauerhaft eingesetzt werden, da es im Körper auch viele andere Vorgänge beeinflusst und Nebenwirkungen hervorruft. Bei der sogenannten Basistherapie setzen die Ärzte auf Medikamente, die der Patient regelmäßig über einen längeren Zeitraum einnimmt. Ihre Wirkung entfaltet sich oft erst nach Wochen oder Monaten. Sie sind besonders wichtig, da sie das Fortschreiten der Krankheit bremsen. Eine erfolgreiche Therapie kann jedoch erst dann gelingen, wenn Arzt und Patient eng zusammenarbeiten. Regelmäßige Blutkontrollen sind notwendig. Die Wirkungen und Nebenwirkungen müssen ständig besprochen werden, besonders bei neu auftretenden Beschwerden. Erst dann kann das ganze Spektrum der begleitenden Behandlungen sinnvoll in die Therapie mit eingeflochten werden. Das bedeutet für den Rheumatiker aktive Mitarbeit, denn gerade für ihn gilt: "Wer rastet, der rostet".

Die Physikalische Therapie reicht von der Elektrotherapie über Bäder, Lichtbehandlungen bis zu Massagen. Einfache Methoden kann der Rheumatiker zu Hause einsetzen: Morgensteifheit lässt sich unter einer warmen Dusche lockern, Eisbeutel lindern die Schwellungen entzündeter Gelenke. Mit der richtigen Krankengymnastik kann der Betroffene viel für seinen Körper tun. Er kann Einschränkungen im Bewegungsablauf rückgängig machen, Kondition und Muskulatur aufbauen und Koordination üben. Das alles ist wichtig, um Gelenke zu stabilisieren, mit bestimmten Techniken die Schmerzen zu lindern und falsche Bewegungsabläufe zu verhindern. Einen großen Teil der Übungen kann und muss der Patient zu Hause durchführen. Vorsicht ist bei einem Krankheitsschub angesagt. Wenn die Gelenkentzündungen zunehmen, kommen nur leichte Übungen in Frage.

Der Alltag mit der Krankheit

In der Ergotherapie lernt der Rheumatiker, die Bewegungen im Alltagsleben der Krankheit anzupassen. Schon das Führen einer Tasse kann seine Tücken haben. Statt nur mit Daumen und Zeigefinger zuzufassen, schont der Griff mit der ganzen Hand die sensiblen Fingergelenke. Auch Hilfsmittel schützen vor ungünstigen Belastungen: Bestecke mit dicken Griffen, besondere Tubenöffner oder einfache Strumpfanzieher. Neben praktischen Hilfsmitteln wirken auch psychologische Tricks. In einem besonderen Training lernen Patienten ihre Schmerzempfindungen zu kontrollieren. Wem es gelingt, seine Schmerzen zu akzeptieren, ist auf dem besten Weg, sie auch zu bewältigen.

Auch Rehabilitationsmaßnahmen wie Massagen und Krankengymnastik verbessern die Lebensqualität der Rheumakranken. Leider gibt es eine Unterversorgung mit Spezialisten, die aber gerade bei einem so komplexen Krankheitsbild und bei der Therapie gefragt sind. Nur 15 Prozent der Rheumapatienten werden von Rheumatologen behandelt. Beim Hausarzt ist eine optimale Therapie leider nicht immer garantiert. Die Rheumazentren spielen bei der Durchsetzung neuer Behandlungsmethoden eine wichtige Rolle. Von der frühzeitigen Diagnosestellung über die Therapieüberwachung bis hin zu Patientenschulungen und Rehabilitationsmaßnahmen arbeiten hier Ärzte fachübergreifend zusammen. Den chronisch Kranken wird eine qualifizierte Langzeittherapie geboten.

Neuerungen in Therapie

Gerade die letzten Jahre brachten wichtige Neuerungen in der Therapie, die erst mal in den Arztpraxen Fuß fassen müssen. So ist das in den 70er und 80er Jahren praktizierte behutsame Vorgehen bei der Behandlung überholt. Dies gilt vor allem für die Patienten, bei denen ein besonders schwerer und rasch fortschreitender Krankheitsverlauf innerhalb weniger Jahre zu schwersten Verkrüppelungen bis zur Invalidität führt. Um die chronische Polyarthritis zu stoppen oder zumindest das Fortschreiten erheblich zu verlangsamen, muss man mit wirkungsvollen Mitteln gegen die Krankheit vorgehen. Und das, sobald die Diagnose feststeht. Neue, langfristig wirksame Medikamente eröffnen neue Therapiemöglichkeiten, da sie den Krankheitsverlauf bremsen. In Fällen mit hoher Krankheitsaktivität ist es wichtig, dass bereits im Frühstadium Medikamente mit hoher Wirkstärke eingesetzt werden. Heute kommen sogenannte Basistherapeutika, wie Methotrexat, Goldsalze und Antimalariamittel weltweit am häufigsten zur Anwendung.

Erste Symptome einer rheumatoiden Arthritis:

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • Nachtschweiß
  • Morgensteifheit
  • Gelenkschmerzen
  • Gelenkschwellungen

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